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Boulevardisierung - Alltag im Journalimus
Alexander Fritsch ist freier TV-Autor und Produzent. Seit 2000 ist er zudem Korrespondent für Reuters-TV. Als Vorstand des DJV-Landesverbandes Berlin moderierte er die Podiumsdiskussion „Boulevardisierung der Medien“. Von Benno Müchler
Alexander Fritsch: Die Boulevardisierung ist weder Gepenst noch Bedrohung. Sie ist Teil des journalistischen Alltags, die die maximale Verbreitung ihrer Produkte zu ihrem Ziel hat. Es ist eine der vorherrschenden Formen in Deutschland. PO: Journalismus fängt mit einer Idee und der Recherche an. Das Internet mit „Google“ kann dabei eine Hauptquelle des Journalisten sein. Wenn eine solche Recherche Ursache der Boulevardisierung ist, sind Journalisten dann zu unkritisch, vielleicht zu faul geworden? Alexander Fritsch: Man muss hier sehr deutlich abgrenzen. Boulevard-Journalismus kommt nicht durch schlechte Recherche und ist daher kein schlechter Journalismus. Den „stern“ würde man zum Beispiel nicht als Boulevard-Magazin bezeichnen. Boulevardeske Journalismus ist ernst zu nehmen und auch als solcher zu kennzeichnen. PO: Die Boulevardisierung entsteht natürlich durch das Konsumverhalten des Zuschauers und des Lesers. Geht durch diese Entwicklung nicht immer ein Stück Wahrheit des Journalismus verloren? Alexander Fritsch: Ob wahr oder falsch - darüber entscheiden Geschmacksfragen. Journalismus hängt vom Geschmack des Konsumenten ab. Der „Kokain-Konsum“ von Kate Moss ist wahr und basiert auf Fakten. Schlechter Journalismus ist das nicht. PO: Wie sieht es in der Zukunft aus? Wird die Boulevardisierung weiter voranschreiten? Alexander Fritsch: Der Boulevard-Journalismus wird sich durchsetzen. Dazu ein Beispiel: Vor 20 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass die „tagesschau“ sportliche Meldungen in ausgeprägter Form bringt. Heute widmet sie samstags einen Großteil ihrer Sendezeit der Bundesliga. Boulevardeske Techniken greifen über. Es gibt heute keinen Journalismus mehr ohne Wissen über solche Techniken. Der Boulevard-Journalismus ist ein ‚Muss‘ für jeden Journalisten und gehört zu seinen Grundkenntnissen. |
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